Prof. Dr. rer. pol. Herbert Strunz, Ph.D.

Akademischer Nachruf

Die Fakultät Wirtschaftswissenschaften der Westsächsischen Hochschule Zwickau trauert um Ihren langjährigen Freund und Kollegen Professor Ing. Mag. Dr. rer. soc. oec Dr. h. c. Herbert Strunz, Ph. D. der am 4. November 2018 im Alter von nur 57 Jahren plötzlich und für uns alle unfassbar mitten aus dem Leben gerissen wurde. Nur zwei Tage vor seinem viel zu frühen Heimgang konnte er noch das Dienstjubiläum für seine 25-jährige Tätigkeit als Professor an der WHZ feiern und wurde mit einem offiziellen Rektoratszeremoniell für sein akademisches Wirken geehrt.

Herbert Strunz wurde am 25. Mai 1961 in Mödling (Niederösterreich) geboren. Nach einschlägiger Schulausbildung nahm er 1981 das Studium der Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien auf, das er 1985 mit dem (in Österreich für diesen Studiengang seinerzeit üblichen) Examen als Magister abschloss. Nur ein Jahr später wurde er von der Wirtschaftsuniversität Wien zum Dr. rer. soc. oec. promoviert. Es folgten Tätigkeiten in der betrieblichen Praxis mit ständigem Aufstieg und schon früher Übernahme von Führungsfunktionen: zunächst als Financial Analyst bei Hewlett-Packard (Wien), dann als Controller und Handlungsbevollmächtigter bei der Österreichischen Länderbank AG in Wien und schließlich als Finance & Administration Manager beim Computerhersteller WANG Österreich (Wien), verantwortlich für den Bereich „Eastern European Operations“. Parallel zu seinen Managertätigkeiten steuerte Herbert Strunz aber schon von Beginn seiner beruflichen Praxis an zielstrebig und stringent auf die Verwirklichung seines eigentlichen Lebenstraums zu: „Professor werden, sein und bis zum letzten Atemzug bleiben“. So waren erste Gastprofessuren Anfang der 1990er Jahre an der Comenius-Universität in Bratislava (Slowakei) und an der Masaryk-Universität in Brno (Tschechien) nur konsequente Meilensteine auf einem Weg, der für Herbert Strunz am 1. Oktober 1993 im Alter von erst 33 Jahren seinen vorläufigen Höhepunkt fand: der Berufung zum ordentlichen Professor für internationale Unternehmensführung an die Fakultät Wirtschaftswissenschaften der damaligen Hochschule für Technik und Wirtschaft Zwickau.

Seit dieser Zeit hat Herbert Strunz ein akademisches Lebenswerk geschaffen, das ohne jede Übertreibung wahrlich seinesgleichen sucht. 325 wissenschaftliche Publikationen (davon allein 51 Monographien, legendär die Fotowand an den Aussenwänden seines Büros, die die Coverseiten seiner Bücher zeigt!) spiegeln in beeindruckender Weise das Ergebnis seiner akademischen Lehre und Forschung wider. Mehr als 30 Vorstandsfunktionen bzw. Mitgliedschaften in internationalen wissenschaftlichen Gremien und Vereinigungen zeugen zudem von dem weltweiten Ruf, den Herbert Strunz in der Scientific Community genoss. Stellvertretend für diese Aktivitäten sei herausgehoben der Vorsitz des militärökonomischen Beirats beim Bundesministerium für Landesverteidigung der Republik Österreich (Wien), der das Standing von Herbert Strunz auch in der Politikberatung nachdrücklich belegt. Fast müßig zu erwähnen, dass zusätzlich zu den klassischen Feldern der Lehre und Forschung auch die akademische Selbstverwaltung von ihm als weiteres Herzstück seines Wirkens als Professor verstanden wurde. Nach zwei Amtsperioden als Prodekan kulminierte dieses Selbstverständnis in der Wahrnehmung der Funktion des Dekans der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der WHZ in den Jahren 2009 bis 2011.

An dieser Stelle wollen wir das eben lediglich in seinen markanten Eckdaten skizzierte Lebenswerk von Herbert Strunz bewusst nicht weiter detaillieren und chronologisch aufarbeiten, wie es sonst in akademischen Nachrufen üblich ist. Die Dimension seines Schaffens ist auch ohne eine solche Detaillierung und Chronologie absolut „outstanding“. Ab hier soll der akademische Nachruf auf Herbert Strunz „anders“ sein. Ganz einfach, weil er selbst es ganz gewiss so gewollt hätte. Denn Herbert Strunz war ganz und gar „anders als Andere“. Er war ein professorales „Unikat“ im besten Sinne dieses Wortes und hatte eine ganz einzigartige, unverwechselbare Identität. Sein Markenkern war sein absolutes Glücklichsein mit seinem Traumberuf (wie oben schon gesagt: „Professor werden, sein und bis zum letzten Atemzug bleiben“). Noch wenige Tage vor seinem friedlichen Heimgang thematisierte und konkretisierte Herbert Strunz die beiden zentralen Pole seines permanenten Lebensglücks: einerseits ein Leben für Andere und andererseits ein kreatives, schöpferisches Gestalten von etwas Sinnvollem, sofern dieses Gestalten den eigenen gegebenen Gaben und Fertigkeiten entspricht (es war in einer Diskussion über den deutschen Publizisten und Filmproduzenten Roger Willemsen, der eben diese beiden genannten Pole einmal als die zwei Formen des absoluten Glücklichseins postuliert hat).

Das Leben für Andere verband Herbert Strunz natürlich zuallererst mit seiner Familie. In seinem Wirken als Professor aber zeigte er eine unvergleichliche Leidenschaft für die Förderung junger Studierender. Wer jemals miterlebt hat, wie er sich einzelnen Studierenden in teilweise stundenlangen (und für die Studierenden gleichwohl in höchstem Maße fordernden) Diskussionen widmete und anschließend uns Kollegen mit leuchtenden Augen fast poetisch sagte „Ich glaube, ich habe wieder einen jungen Menschen glücklich gemacht“, der mag erahnen, mit welcher Passion er die Förderung und Entwicklung junger Studierender zu einer seiner Lebensaufgaben deklarierte und welche Lebenskraft er daraus wirklich zog. Dazu ist absolut passfähig, mit welchem Enthusiasmus Herbert Strunz die Leitung des MBA-Masterstudiengangs „International Business“ („mein Baby“, wie er diesen Studiengang liebevoll stets nannte) wahrnahm. Präsenzstudientage der MBA-Studierenden waren „heilige“ Tage für ihn. Nichts und niemand durfte ihm an diesen Tagen in die Quere kommen, wenn er jeden einzelnen Masteraspiranten zu sich in sein „Konspiratorium“ (wie er sein Büro gegenüber seinen ganz eingeweihten Freunden bezeichnete) einlud, um parallel zu den offiziellen Lehrveranstaltungen seine „hidden agenda“ der Elitenförderung zu betreiben. Es ist nicht übertrieben, wenn wir heute sagen, dass Herbert Strunz ganz besonders glücklich war, wenn eine MBA-Präsenzphase wieder einmal erfolgreich beendet war und er dann voller Lebensfreude zurück ins heimatliche Wien fuhr.

Erst vor kurzem konnten wir auf dem äußeren Umschlagdeckel seines Terminkalenders eine Inschrift mit dem Text „Jeder Tag ein Ferientag“ entdecken. Auf unser erstauntes Nachfragen, was denn diese Inschrift zu bedeuten habe, erklärte uns Herbert Strunz, was er unter „Ferien“ wirklich verstehe. „Ferien“ waren für ihn nächtliche Stunden des kreativen Studierens, Forschens und Schreibens (der zweite zentrale Pol des Glücklichseins aus der Diskussion über Roger Willemsen). Dazu muss man wissen, dass Herbert Strunz sich nach getanem „Tag“werk zurückzog, extrem zeitig (manchmal schon um 19.00 oder 20.00 Uhr) zu Bett ging, gegen Mitternacht wieder aufwachte und dann sein kreatives Schaffen begann, was durchaus bis in die frühen Morgenstunden andauern konnte. Anderntags kam es oft vor, dass er uns Freunden und Kollegen wiederum mit leuchtenden Augen erzählte, wie er die ganze Nacht mit Hingabe und Inbrunst an einer einzigen Fussnote (die allerdings leicht eine ganze Seite lang sein konnte) gearbeitet habe. Die meisten Menschen würden aus solchen durchwachten Nächten am Folgetag gerädert hervorgehen. Nicht so Herbert Strunz! Er zog aus solchen Nächten Lebenskraft und Lebensfreude pur. Schreiben war neben der Förderung junger Menschen die zweite große wirkliche Passion von Herbert Strunz. Die eingangs genannte Zahl von 51 Büchern im Rahmen von 325 Gesamtpublikationen zeugt eindrucksvoll von dieser Leidenschaft.

Bei all dieser Lebensfreude, Lebenskraft und absolutem Glücklichsein verwundert es nicht, dass Herbert Strunz den Menschen gegenüber stets mit einem unwiderstehlichen Charme auftrat. Dass sein sympathisch-gewinnender Wiener Dialekt dabei quasi als „Ad-hoc-Eisbrecher“ und „Spontan-Türöffner“ fungierte, mag nicht davon ablenken, dass Herbert Strunz für jeden, der ihn kannte, der „Professor mit dem großen Herzen“ war. Sein Begräbnis in Wien, an dem auch viele Zwickauer Freunde, Kollegen und aktuelle sowie ehemalige Studierende teilnahmen, spiegelt diese Herzensverbundenheit in überwältigender Weise wider. Ebenso, wie die ergreifende Trauerfeier uns allen auch noch einmal ins Gedächtnis gerufen hat, dass Herbert Strunz ein durch und durch überzeugter Europäer war. „Dem Ende des kalten Krieges und dem Zusammenwachsen Europas verdanke ich alles“, so hat er einmal gesagt. Und so wäre es ihm bestimmt eine besondere Freude gewesen, mitzuerleben, wie viele Menschen aus ganz Europa zu seinem Heimgang in seine Heimat nach Wien gekommen sind. Darunter auch viele Freunde der Alexander-Dubcek-Universität aus Trencin (Slowakei), wo Herbert Strunz in den letzten Jahren zusätzlich zu seinen vielfältigen akademischen Aktivitäten als ständiger Gastprofessor im dort üblichen Range eines Universitätsprofessors tätig war, was ihn mit besonderem Stolz erfüllt hat.

Wir aber, die wir zurückbleiben, sagen Herbert Strunz an dieser Stelle nicht einfach „Adieu“ oder „Ade“. Wir wollen unsere immerwährende freundschaftliche Verbundenheit dokumentieren, indem wir uns so verabschieden, wie es Herbert Strunz in purer Lebensfreude und mit seinem unverwechselbaren Wiener Charme stets getan hat, wenn er nach vollbrachtem Werk zufrieden heimgefahren ist in sein geliebtes Wien. Und so sagen wir in Anlehnung an sein Vorbild und als letzte Ehrerbietung für unseren Freund und Kollegen: „Servus, lieber Herbert, und baba“! (aus dem Wiener Dialekt am ehesten mit „bye, bye“ zu übersetzen).

Prof. Dr. Rolf Karbach
als einer der persönlich besten Freunde des Verstorbenen
für die Fakultät Wirtschaftswissenschaften
der Westsächsischen Hochschule Zwickau